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Zurück zur Wurzel.

Wissbegierig. Lustig. Inspirierend. Müsste ich Dina in nur drei Worten beschreiben, wären es genau diese. Dina ist aber natürlich noch viel mehr! Sie ist eine großartige Freundin und eine super Leiterin meiner Kleingruppe im ICF Halle (International Christian Fellowship). Da habe ich sie vor ungefähr einem Jahr kennengelernt. Sie hat ein bemerkenswert tiefes Vertrauen in Gott und ein unfassbar großes Herz. Das schlägt vor allem für Israel. Seit 2017 ist sie unter anderem auch für das Movement ReformaZion (dazu später mehr) in ganz Deutschland unterwegs. Erzählt mir Dina, dass sie am Wochenende verplant ist, bedeutet das zu 90%, sie ist entweder in Israel, auf einem Israelkongress oder auf irgendeiner anderen Israelveranstaltung. Doch woher kommt eigentlich ihre Begeisterung für Israel?

Dina gemeinsam mit ihren Freunden von ReformaZion.

Ich frage Dina, wann sie ihre Leidenschaft zu Israel entdeckt hat und sie erklärt, dass sie schon immer damit gelebt hat. Sie ist quasi mit der Liebe zu dem Land aufgewachsen. In Dinas ersten Lebensjahren ist sie selbst noch Teil einer christlichen Glaubensgemeinschaft, die – wahrscheinlich mehr als andere Gemeinden – ihr Augenmerk auch auf Israel und das jüdische Volk richteten. Einige ihrer Familienmitglieder leben sogar in Israel. Die häufigen Familienbesuche in Israel wecken schließlich in Dina den Wunsch, selbst erfahren zu wollen, wie es ist, in dem Land zu leben.

Dina beschließt nach Israel zu gehen. Und das in der Zeit, in der sonst alle Abiturienten wahnsinnig werden, weil sie keinen Plan haben, was sie nach der Schule machen wollen. In Haifa arbeitet sie für mehr als ein Jahr in einem Altenheim mit Holocaustüberlebenden. Zurück in Deutschland und Israel nach wie vor im Herzen, beginnt sie auf Empfehlung anderer Israelvolontäre das Studium Nahoststudien in Halle. Dina erzählt mir, dass ein Studium eigentlich nie für sie in Frage kam. Dafür sei sie viel zu praktisch und zu wenig theoretisch veranlagt. Ihre Leidenschaft für Israel und ihr Interesse an den unterschiedlichen Kulturen und Religionen überwiegen jedoch. Seit 2016 lebt sie nun in Halle. Ihre geistliche Heimat hat sie im ICF Leipzig gefunden und ist außerdem Teil des ICF Startups in Halle.

Ihrer Verbundenheit zu Israel bleibt sie aber nicht nur durch ihr Studium treu. Viel zu groß ist der Wunsch, sich auch von Deutschland aus für Israel einzusetzen. Im Februar 2017 ruft Dina mit ein paar anderen Leuten ReformaZion ins Leben. Die Idee dahinter ist, ein Movement zu schaffen, bei dem alle unterschiedlichen christlichen Israelorganisationen zu einem großen Ganzen werden. Dazu gehören Vereine, die in Israel vor Ort ganz praktisch helfen, Volontariats- und Holocaustüberlebendendienste oder auch christliche Reiseveranstalter. Die Leitfrage dabei ist:

Wie können wir als Christen, die Israel lieben, gemeinsam und miteinander arbeiten? 

Weiterentwickelt wurde die Idee von ReformaZion im Dezember 2017. Dafür trafen sich circa 100 Jugendliche, die Dinas Leidenschaft und Engagement für Israel teilen. Seitdem gibt es regelmäßige Treffen unter anderem in Berlin, Hamburg oder Halle. Getragen wird ReformaZion übrigens vom Christlichen Forum für Israel (CFFI).

Dina in Aktion beim ReformaZion-Treffen.

Dina erklärt mir in unserem Gespräch, dass es sich bei ReformaZion um eine vorwärtsblickende Umkehrbewegung handelt. Okay, und was bedeutet das jetzt konkret? Die Devise hinter ReformaZion ist die folgende:

Der Gott Israels ruft die junge Generation: zurück zum Wort, zurück zur Wahrheit, zurück zur Wurzel und zurück zu Jesus, dem König der Juden. 

Es handelt sich um eine Art Rückbesinnung der Christen auf das jüdische Volk. Christ sein, ohne sich dem Bezug zu den Juden bewusstzumachen, sei ungefähr so, wie wenn in der Bibel das Alte Testament ausgeschlossen werden würde, so Dina. ReformaZion ist also eine klare Antwort auf die Ersatztheologie. Diese besagt nämlich, dass Christen die Juden als das „auserwählte Volk“ ersetzt haben, da das jüdische Volk Jesus als den Sohn Gottes nicht anerkannt hat. Die Juden hätten als „Jesusmörder“ das Bündnis mit Gott gebrochen und seien demnach als „auserwähltes Volk“ enterbt.

ReformaZion möchte den Fokus wieder darauf richten, was in der Bibel steht. Dina erklärt mir, dass die Bewegung ganz klar auf der Heiligen Schrift basiert und zitiert gleich den ersten Vers. In Sacharja 2, 12* steht z. B. geschrieben: „denn wer euch (Israeliten) antastet, tastet meinen Augapfel an“ (Elberfelder Übersetzung). Häufig vergessen wir den Kontext, in dem sich die Geschichten aus der Bibel abspielten, so Dina. Häufig vergessen wir auch, dass Jesus und all seine Jünger – das komplette Umfeld eigentlich – Juden waren. Die ersten Christen waren schließlich auch Juden. Erst in Apostelgeschichte 10 wird von der Taufe der ersten Heiden und Juden gesprochen. Ab da beginnt auch erst die Geschichte der Christen.

Die ReformaZion-Begeisterten verstehen sich als Botschafter genau dieser Message. Sie veranstalten Konferenztage in ganz Deutschland, um die Inhalte weiterzutragen. Dabei finde ich, dass der Name dieser Bewegung den Kern ziemlich gut trifft. Reformation bedeutet Wiederherstellung und Zion ist ein Synonym für Jerusalem – den Ankunftsort des Messias. ReformaZion ist demnach die Erneuerung in Hinblick auf Zion bzw. Jerusalem.

Zum Abschluss frage ich Dina, wie sie das Verhältnis zwischen Christen und Juden sieht. Das Interview mit Hani hat mir schon mal geholfen, die muslimische Perspektive auf den Zusammenhang der drei großen Weltreligionen besser zu verstehen. [Hier könnt ihr den Artikel nachlesen!] Wie sieht das Dina? Wie bei allen anderen Fragen schaut auch hier Dina wieder in die Bibel und schlägt den Römerbrief 11 auf. Hier ist die Rede von der Verstockung der Juden. Sie haben einen Schleier auf den Augen, für den sie nichts können. Dieser Schleier trennt sie von Jesus als Gottes Sohn. In Jesaja 42, 18-19* wird dieses Bild noch deutlicher. Hier steht:

„‘Ach, wie seid ihr taub und blind!‘, sagt der Herr. ‚Warum wollt ihr nicht hören, warum nicht sehen? Wenn je ein Volk blind war, dann mein Volk Israel. Gibt es überhaupt einen, der so taub ist wie mein Volk, das ich als meinen Boten senden will? Gibt es ein Volk, das so blind ist wie Israel, mein Vertrauter, den ich in meinen Dienst gestellt habe?‘“

Dina sieht ihre Aufgabe darin, das geistliche Israel zu beschützen – sich stark für Juden zu machen und für sie einzustehen. Sie will eine Wächterin des jüdischen Volkes sein, so, wie es in Jesaja 62, 6-7* steht:

„Jerusalem, ich habe Wächter auf deine Mauern gestellt, die den Herrn Tag und Nacht an sein Versprechen erinnern sollen. Ihr Wächter, hört nicht auf zu beten – nicht einen Augenblick –, gönnt euch keine Ruhe! Lasst auch Gott keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufgebaut hat und die Stadt auf der ganzen Erde bewundert wird.“ 

Dinas persönlicher Einsatz für Israel und das jüdische Volk ist die Aufklärung. Sie hinterfragt. Sie sucht den Austausch. Sie engagiert sich.

„Man kann als Christ nicht Israel hassen und Jesus lieben. Man kann als Christ nicht Israel aus dem Spiel lassen. Das geht nicht.“ 

Als Christen sollten wir an der Seite des jüdischen Volks stehen und ihm dienen, beispielsweise durch Sensibilisierung darüber, was in der Bibel eigentlich über das jüdische Volk steht. Auch in Hilfsdiensten kann man sich aktiv für Israel engagieren. Dina macht das bei Reformazion ganz praktisch und ist somit für mich eine echte Kämpferin.

„Mein Herz schlägt für Jerusalem, darum kann ich nicht schweigen. Ich halte mich nicht zurück, bis Gottes Hilfe über der Stadt auf dem Berg Zion aufstrahlt wie die Morgensonne, bis ihre Rettung aufleuchtet wie ein heller Schein bei Nacht.“ (Jesaja 62, 1)*

Mehr Infos zu ReformaZion erhaltet ihr auf ihrem Instagram und auf ihrer Website.

Hast du vielleicht selbst Interesse, bei ReformaZion mitzumachen? Dann melde dich einfach zum nächsten ReformaZion Wochenende an!

*Aus meiner Erfahrung heraus ist es immer hilfreicher, wenn man das ganze Kapitel liest, um den Kontext der Verse noch besser zu verstehen!

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