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Können Tarot-Karten in die Zukunft blicken? Mein Besuch bei einer Wahrsagerin [Part I]

Es ist Samstagabend, der dritte Advent steht kurz bevor und auf dem städtischen Weihnachtsmarkt herrscht reges Gedränge. Ich schlendere mit einer Freundin über den mittelalterlichen Teil des Marktes und wir unterhalten uns über das vergangene Jahr und unsere Träume für das neue. Umbrüche, offene Fragen und auch Widersprüche beschäftigen uns, ein paar Antworten wünschen wir uns wohl beide. Vielleicht ist es kein Zufall, dass wir ausgerechnet in diesem Moment an einem geheimnisvollen, kleinen Zelt vorbeikommen, das mit dem Legen von Tarot-Karten wirbt. Eine ältere Dame mit breitkrempigem Hut und einem toten Fuchs um den Hals kommt gerade daraus hervor. Ihre Miene ist düster, ihr Blick unfreundlich. Klischee Jahrmarkthexe erfüllt, schießt es mir durch den Kopf. Trotzdem überwinde ich mich zu fragen, was der Spaß kostet. 10 Euro für einen fünfzehnminütigen Blick in die nahe Zukunft. Das kann ich mir mit meinem knappen Studentenbudget gerade noch so leisten.

Also raus aus der winterlichen Kälte und dem Markttrubel und rein in das wohlig beheizte Zelt. Drinnen ist gerade einmal Platz für einen kleinen Tisch, drei Stühle und (glücklicherweise) einen leistungsstarken Heizpilz. Während die Wärme kribbelnd in mein Gesicht kriecht, muss ich die Karten mit meinen vor Kälte steifen Fingern mischen. Der frostige Blick der Kartenlegerin taut hingegen nicht auf. Auch egal. Irgendwie macht sie das authentisch. Sie will wissen ob ich Single oder vergeben bin und meine Antwort bestimmt, mit welcher Hand ich den Stapel sortieren muss. Ich glaube eigentlich nicht daran, dass die Hand relevant ist. Die Information über meinen Beziehungsstatus hingegen ist es für die Wahrsagerin ganz sicher. Nach und nach deckt sie nun die Karten in einer mir schleierhaften Reihenfolge auf. Es folgt eine generelle Vorhersage für die nächsten drei bis zwölf Monate zu drei großen Themen:

Liebe, Beruf und Finanzen.


Zwischenzeitlich stellt die zukunftssehende Dame immer wieder kleine, strategische Zwischenfragen, um mir weitere Informationen zu entlocken. Von Nichts kommt eben auch nichts. Ich mache brav mit und fühle mich tatsächlich von der ein oder anderen Karte etwas ertappt. Jahrmarktschwindel hin oder her, die Wahrsagerin beherrscht ihr illusorisches Spiel. Ihrer griesgrämigen Art bleibt sie dabei treu. Ich frage mich, ob Tarot-Karten wirklich etwas von der Zukunft abbilden können und beschließe meine Ergebnisse schriftlich festzuhalten. Eigentlich glaube ich nicht unbedingt an die Kunst des Wahrsagens. Andererseits habe ich auf meiner Asienreise ein Deutungsbuch des jahrtausendealten, chinesischen Buchs der Wandlungen, das I-Ching, gelesen, das mich irgendwie in seinen Bann gezogen hat. Es handelt sich um den wohl ältesten klassischen Text der Chinesen und ist ein geachtetes Werk in der Philosophie und Religionswissenschaft.

Das „Book of Changes“ ist ein Orakel, das aus 64 Hexagrammen mit jeweils zugeordneten Weisheitssprüchen besteht. Legenden zufolge gelten die dort aufgeführten Hexagramme als abgebildete Sprache des Universums, einige davon abgeleitet von den Mustern auf Schildkrötenpanzern. Von diesen Legenden abgesehen gibt es Wissenschaftler, die in der Struktur der 64 Zeichen eine Logik erkannt haben, die den DNS-Strängen in der Molekularbiologie ähnelt. Bis heute wird das I-Ching genutzt, um die Zukunft vorherzusagen und den Strom von Veränderungen abzubilden. Das Buch der Wandlungen ist deshalb etwas Besonderes, weil der Fragende keinen Hellseher benötigt. Nur den Text und drei chinesische Münzen, um die Hexagramme selbst zu werfen. Meine damals geworfenen Ergebnisse waren beängstigend tiefgründig und ambivalent. Ich ließ die Finger wieder vom I-Ching, das keine leichte Kost ist. Mit meinem begrenzten Wissen wollte ich die Ergebnisse nicht fehlinterpretieren. Wenn selbst Konfuzius dem I-Ching erst im hohen Alter auf die Schliche gekommen ist, war ich wohl noch nicht reif für die geheimnisvollen Hintergründe und Botschaften.

Zeitraum und philosophische Tiefe der Vorhersage beim Tarot auf einem Weihnachtsmarkt sind hingegen überschaubar und eignen sich hervorragend für meinen kleinen Selbstversuch. Ich will herausfinden, ob die Karten recht behalten werden und habe meine Vorhersage aufgeschrieben. So vergesse ich mein Tarot-Ergebnis nicht und kann euch im nächsten Jahr daran teilhaben lassen, wenn eine angebliche Erfüllung bevorsteht.

Die wichtigsten Inhalte meiner Vorhersage habe ich in drei Kategorien zusammengefasst:


1. Kategorie Beruf: In den Karten steht, dass ich Angst vor bevorstehenden Prüfungen habe und mich frage, ob ich meinen Abschluss schaffe. (Ok, stimmt, aber wer nicht?) Eine Angst, die einhergeht mit meiner Unsicherheit über den weiteren Weg. Diese Angst soll sich jedoch als unbegründet erweisen. Ein guter Abschluss folgt, allerdings werde ich in diesem Bereich nicht unbedingt weiter tätig sein. Erfolg wird sich mit etwas Anderem einstellen, die berufliche Selbstständigkeit wird daraus folgen. Auf diesem Weg treffe ich eine andere Person (weiblich), die mich beeinflussen wird. Entweder werde ich mit dieser Person zusammen etwas beginnen oder sie bietet mir an, bei etwas einzusteigen. Meine Träume, Buchautorin zu werden, dämpft die Wahrsagerin vorerst. Für eine hohe Auflage fehlt mir eben die Lebenserfahrung. (Na gut, da draußen geistern ja auch viele schrottige Bücher herum, die gute Frau hat vielleicht Angst, ich schreibe ein zweites „Twilight“ und will sich und andere Leser davor bewahren. Und ein Selflove-Ratgeber von einer grünschnäbeligen Studentin braucht auch keiner. Keine Sorge, liebe Karten, damit verschone ich euch!)

2. Kategorie Liebe: Offenbar geistert noch eine unverarbeitete Sache mit einem Mann in meinem Kopf herum, die mich blockiert und die ich loslassen muss. (Was kann das sein? Da bin ich ratlos). Ziemlich deutlich steht eine Begegnung mit einem Mann bevor (im Februar oder März nächsten Jahres), die zu einem langsamen, aber nachhaltigen Verlieben führt. Es zieht sich, weil er zurückhaltend ist, aber ein Dranbleiben lohnt sich. Die Karten sehen Treue, Hingabe und eine lange, glückliche Beziehung. Habe ich da den Liebes-Jackpot gezogen? Als emotionaler Zwilling lege ich mir aber natürlich vorher ein paar Steine in den Weg.

3. Kategorie Finanzen: Hier geben die Karten knappe, aber zufriedenstellende Auskünfte. Offenbar steht ein Geldsegen bevor und nach dem Abschluss finanzieller Erfolg. Da so ziemlich jeder Vollzeitjob nach dem Studium wohl mit finanziellem Erfolg verbucht werden kann, sehe ich das mal locker. Ein kleiner Geldsegen davor wäre natürlich schön…


Mein Fazit: Die Tarot Kunst meint es offenbar gut mit mir. Ich frage mich, ob manchen Leuten in diesem Zelt auch bevorstehendes Übel vorhergesagt wird. Von Erzählungen Bekannter weiß ich, dass so eine Kartenlegung nicht zwingend positiv verlaufen muss. Ob die Wahrsagerin wirklich in meine Zukunft gesehen hat, ob sie „nur“ Stimmungen oder Energien aufgegriffen oder alles frei erfunden hat: Mit Fakten kann ich weder das eine noch das andere belegen. So oder so hatte ich unterhaltsame fünfzehn Minuten und bin um eine „spirituelle“Erfahrung reicher. Man sagt, dass Zukunftsvorhersagen oft allgemein formuliert werden, damit sie auf die meisten Menschen zutreffen. Je unspezifischer die Vorhersage ist, umso einfacher ist auch ihre Erfüllung. Scheinbare Erfüllungen können so interpretiert werden, dass sie zu der Vorhersage passen. Angeblich wird auch das Eintreten der Zukunftsvisionen begünstigt, wenn Geist und Körper sich auf den Glauben daran einstellen. Klingt nach einer Art „Placebo“-Effekt. Da mein Kartenergebnis so rosig ausgefallen ist, habe ich ja eigentlich nichts zu befürchten, wenn ich es für die kommende Zeit im Blick behalte. Eine genauere, kritische Analyse meiner Ergebnisse folgt also nächstes Jahr in „Ein Blick in die Zukunft – Tarot Vorhersage im Selbstversuch [Part II –die Auswertung]“

Was sind eure Erfahrungen auf dem Gebiet des Wahrsagens?


Die Methoden sind schließlich zahlreich: vom Studieren einfacher Horoskope, über das Handlesen oder die Arbeit mit Kristallen, Geistern und Naturelementen. Es gibt die Frau mit der Glaskugel auf Jahrmärkten, die bei den meisten wohl in der Schublade „Scharlatane“ landen würde. Doch es gibt auch die Schamanen alter Naturvölker, deren Zukunftsvisionen Krankheit und Heilung vorhersagen. Und es gibt mystische und zweifellos kraftvolle Bücher wie das bereits erwähnte I-Ching, dessen Ursprung auf 3000 Jahre v. Chr. zurückverfolgt wurde.

Wahr oder nicht wahr: Die Grenzen von Zeit und Raum aufzuheben, einen Blick „hinter die Kulissen“ zu werfen und zu erspähen, was die Zukunft bereithält, fasziniert viele von uns. Haltet ihr das Hellsehen für Aberglaube? Im Christentum ist dieses Brauchtum beispielsweise gar nicht gerne gesehen, da die Kirche es für eine Anmaßung gegenüber Gott hält. Ist Wahrsagen möglicherweise ein Spiel mit dunklen Mächten? Oder nur Zufall, Manipulation und Illusion? Oder vielleicht glaubt ihr auch an ein Fünkchen Wahrheit in der Kunst der Zukunftsvorhersage? Lasst eure Meinung gerne da, damit wir uns gemeinsam darüber austauschen können!

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