Alle Artikel mit dem Schlagwort: Interreligiösität

Ein Armband als Erinnerung für mehr Nächstenliebe

„Und was sollen wir sagen?“ fragt mich Marie während wir im englischen Chelmsford auf einen Obdachlosen zugehen. „Das werden wir schon sehen – das ergibt sich.“ versuche ich uns zu beruhigen und meine eigenen Hemmungen zu überspielen. Wir nähern uns dem Vodafone Laden, vor dem ein Mann auf dem Boden sitzt. Während er Armbänder flechtet und wir ihn begrüßen, blickt er auf. Er sieht älter aus, als er ist. Seine angefertigten Armbänder erleichtern uns den Gesprächseinstieg. Marie fragt neugierig, was er da macht. Wir sind interessiert und gehen neben ihm in die Hocke. Und so beginnt unser Gespräch. Ein Gespräch, das die nächsten 60min dauert und Marie und mich nachhaltig verändern wird.  Im letzten Semester studierten Marie und ich in Großbritannien und lebten in dem kleinen typisch englischen Städtchen Chelmsford. Unsere Sonntage verbrachten wir häufig im nicht weit entfernten London und besuchten die Hillsong Church. Dabei ist es fast schon zur Tradition geworden, den Sonntagabend danach mit ein-zwei Pints Cider in unserem Lieblingspub ausklingen zu lassen. Ich erinnere mich gern an unsere Gespräche. Wieder einmal …

An mehr als nur eine Religion glauben. Geht das?

„Du kannst nicht drei verschiedene Religionen gleichzeitig haben. Wenn man an alles gleichzeitig glaubt, ist es im Grunde genommen nichts anderes, als wenn man an gar nichts glaubt.“ Ein Satz aus dem Film Life Of Pi, der bei mir hängengeblieben ist. Der fiktive Film handelt von einem indischen Jungen, der seine ganze Familie bei einem Schiffsunglück verliert und wochenlang in einem Rettungsboot (und in Gesellschaft eines Tigers) auf dem Pazifik treibt. Das Zitat stammt vom Vater des Jungen, als die Familie noch in Indien gelebt und einen Zoo bewirtschaftet hat. Zu diesem Zeitpunkt hat der kleine Pi Bekanntschaft mit den hinduistischen Gottheiten, mit Jesus Christus und mit Allah gemacht. Und weil er sich zu allen hingezogen fühlt, tut er was? Genau, er betet zu allen. Pis Vater stört sich daran. Er glaubt an die Erkenntnisse der Wissenschaft und betont, Pi solle seinen Glauben immer mit rationalem Denken begründen und hinterfragen. Später im Film erklärt der Erwachsene Pi, der Glaube sei wie ein Haus mit vielen Zimmern auf vielen Stockwerken. Und dort ist auch Raum für …