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Dürfen Christ/innen reich sein?

In den letzten Wochen habe ich mich viel mit dem Thema Finanzen auseinandergesetzt. Immer wieder bin ich zu der Frage gekommen, ob finanzieller Reichtum für Gläubige überhaupt okay ist. Ist Armut nicht eher ein Zeichen für Glaubensstärke? Sollte ich als Christin nicht bescheiden leben – fromm, großzügig und demütig, um damit der Wesensart Jesu zu entsprechen? 

Für die Frage, wie sich Gott unsere Finanzen wünscht, müssen wir erst mal klären, was finanzieller Reichtum bedeutet. Würdest du sagen, dass du reich bist, wenn du

  • … jeden Tag genug zu essen hast? 
  • … nicht in einer WG wohnen musst, sondern dir eine eigene Wohnung leisten kannst?
  • … dir diese Wohnung sogar gehört?
  • … einen 450€ Job hast?
  • … mehr als 50.000€ oder 100.000€ im Jahr verdienst? 
  • … es dir leisten kannst, zweimal im Jahr in ein anderes Land zu reisen?

Für den einen hat man es in den „Kreis der Reichen“ geschafft, wenn 100.000€ auf dem Konto sind. Ein anderer fühlt sich schon bei 50.000€ reich. Fakt ist, dass wir in Deutschland wohlhabender sind als der Großteil der Menschheit. Selbst dann noch, wenn am Ende des Monats nicht mehr ganz so viel Geld auf dem Konto ist. Es kommt also auch auf den Vergleich und die Perspektive an. Ein Hartz-IV-Empfänger hat zwar auf dem Konto mehr Geld als ein Bauer in Laos, aber empfindet sich womöglich als stärker von Armut betroffen, weil er im ständigen Vergleich mit dem reichen, westlichen Lebensstandard konfrontiert ist und gesellschaftlich stigmatisiert wird. Jeder von uns definiert „reich sein“ anders.

Aber unabhängig von unserem Kontostand: was sagt eigentlich die Bibel über Geld? 

Finanzen sind Gott wichtig. In der Bibel gibt es 2350 Stellen über Geld (Biblical Finance, Mark Lloydbottom). Hättet ihr gedacht, dass über Geld mehr zu lesen ist, als über Glauben und Gebet – wovon übrigens nur jeweils 500 mal die Rede ist!? Wie jedes andere Buch auch, liest jeder von uns die Bibel unterschiedlich. Immerhin gibt es 2350 Möglichkeiten, die göttliche Perspektive über Geld zu entdecken. Wie immer können diese Verse auch unterschiedlich interpretiert werden. Unsere Biografie und unsere Persönlichkeit lesen nämlich immer mit. So auch, wenn wir in der Bibel Gottes Wort zum Thema Finanzen lesen. 

Ich glaube, dass sich arme Menschen eher auf die Bibelstellen konzentrieren, die Reichtum als problematisch betrachten. Sie lesen aus der Bibel „Geld ist böse“. Ein Beispiel für diese Interpretationsmöglichkeit findet sich in Mätthaus 19, 21-26 (Lutherübersetzung), wo es heißt: 

„Jesus sprach zu ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach! Da der Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt davon; denn er hatte viele Güter. Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen. Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. Da das die Jünger hörten, entsetzten sie sich sehr und sprachen: Ja, wer kann dann selig werden? Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist’s unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich.“

Menschen, die weder arm noch reich sind bzw. sein wollen, fällt vielleicht eher der Vers 11 in Hiob 36 (Lutherübersetzung) ins Auge: „Gehorchen sie und dienen ihm, so vollenden sie ihre Tage im Guten und ihre Jahre in Wonne.“ In der Übersetzung der Elberfelder heißt es, dass „sie ihre Tage in Wohlfahrt verbringen und ihre Jahre in Annehmlichkeiten.“

Und auf welche Aussagen der Bibel konzentrieren sich dann reiche Menschen? Zum Beispiel auf Matthäus 25, 14-30. Hier ist die Rede von einem reichen Mann, der seinen drei Knechten unterschiedliche Geldsummen gibt, um diese in seiner Abwesenheit zu verwalten. Der erste Knecht bekommt fünf, der zweite zwei und der dritte nur eine. Schließlich kommt der reiche Mann zurück und rechnet ab. Der erste und zweite Knecht konnten ihre Geldmünzen verdoppeln und wurden von dem reichen Mann mit noch mehr Geld belohnt. Immerhin hatte er gesehen, dass diese beiden Knechte mit dem Geld gut umgehen. Der dritte Knecht jedoch hat sein eines Geldstück vergraben und nicht vermehrt. Lest hier, wie es weitergeht:

„Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.“

Krasse Geschichte oder? Diejenigen, die sorgsam mit dem Reichtum umgehen und es sogar vermehren, werden belohnt! Und dem Knecht, der das Geld verbuddelt hat, wird das Geld weggenommen und er wird außerdem bestraft! 

Was glaubst du, was Gott für deine Finanzen will? Alles verkaufen, den Armen geben, weil wir nur so in den Himmel kommen? Ein prunkloses Leben führen und Gott folgen, um später in Zufriedenheit zu leben? Oder doch das, was uns Gott anvertraut hat, annehmen und vermehren, um in Gottes Segen und Bestimmung zu leben?

Es kommt immer auf dein Herz an

Für unsere Beziehung zu Jesus ist es erstmal egal, wie viel Geld wir haben. Ob reich oder arm – das entscheidet nicht darüber, ob wir in den Himmel kommen oder nicht. Es geht um die Herzenshaltung zu Jesus und nicht um unseren Kontostand. Gott liebt uns unabhängig davon, wie viel Geld wir haben. Das sollten wir nicht vergessen! 

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“ Matthäus 6, 33

Mich persönlich inspiriert die Geschichte mit den drei Knechten und den Silbermünzen. Ich glaube, dass sich Gott für seine Kinder ein irdisches Leben wünscht, in dem es keine finanziellen Sorgen gibt. Vielmehr noch: ich glaube, dass Gott uns einen Verstand gegeben hat, der uns dazu befähigt, Reichtum zu erzeugen und in Fülle zu leben. In der Bibel steht nirgends, dass wir in Armut leben sollen. Ich merke, dass ich diesen Gedanken aus einer sehr privilegierten Position äußere. Ob jemand finanziell frei leben kann oder nicht, hängt natürlich von den Lebensumständen ab. Manche leben von Grund auf in besseren Verhältnissen, in denen Reichtum viel leichter erzeugt werden kann. Viele andere haben es aufgrund ihrer Umstände von vornherein schwerer. 

Dennoch glaube ich, dass es um die Beziehung zu Jesus geht. Geld darf nicht wichtiger werden als der eigene Glaube. Geld ist nicht schlecht, aber die Gier danach. Auch Reichtum ist per se nicht schlecht. Problematisch wird es dann, wenn das Streben danach wichtiger wird als Gott. Das wird in dieser Bibelstelle deutlich: 

„Denn die reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Verstrickung und in viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen in Verderben und Verdammnis. Denn Geldgier ist eine Wurzel alles Übels; danach hat einige gelüstet und sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen.“ (1. Timotheus 6, 9-10)

Geld ist ein schlechter Herrscher, aber ein guter Diener.

In meinen Augen ist Geld ein Geschenk Gottes an uns, durch das er uns segnen will. Uns wird Geld gegeben, um es zu verwalten und damit großzügig umzugehen. Ich sehe Geld als Möglichmacher, Gottes Reich auf der Welt aufzubauen. Mit Geld können Kirchen gebaut werden. Gemeinnützige Vereine und christliche Organisation können unterstützt werden. Wir können Freund*innen auf einen Kaffee einladen oder ihnen finanziell aushelfen. Arme Menschen haben da begrenztere Möglichkeiten. Ich stelle mir die Frage, wer profitiert, wenn Menschen nicht genügend Geld haben, um es weiterzugeben. Gott oder der Teufel? Wenn wir Gottes Lehre wirklich verstanden haben, ist es nur logisch, einen Teil unseres Geldes großzügig weiterzugeben – z.B. durch den Zehnten Teil. Deswegen sollten wir auch für unsere finanziellen Ressourcen beten. Für Ressourcen, die über unsere eigenen Bedürfnisse hinaus gehen, damit wir in der Welt einen Unterschied machen können. 

Wie schon so oft beschrieben: unser Herz zählt. Wir sollten immer kritisch überprüfen, woher unser Wunsch nach Geld kommt. Sobald wir gierig werden und Geld wichtiger wird als Gott, müssen wir unsere innere Haltung überprüfen und uns fragen, warum uns Geld wichtig wird. Geld sollte „nebenbei“ laufen – und nicht unser Leben bestimmen. 

Gott will nicht, dass wir in Geldgier leben. Denn das würde bedeuten, dass wir Geld mehr anbeten als Gott. Genauso wenig möchte Gott, dass wir mit unserem Geld prahlen und mit unseren Spenden als „christliche Gönner“ angeben. Auch hier wieder die Frage: wie gehen wir damit um? Ist es uns wichtig, dass wir über unsere Spenden sprechen, damit wir Anerkennung bekommen oder, dass unser Geld wohltätige Resultate erzielt?

Grundsätzlich bin ich also der Meinung, dass finanzieller Reichtum – wie auch immer definiert – für Christ*innen okay ist. Wie bei so vielen Dingen muss man aber noch ein „es kommt darauf an“ ergänzen. Bei Geldangelegenheiten und Reichtum muss immer noch Jesus an erster Stelle stehen. Geldgier ist die Ursache sehr vieler Konflikte, weshalb wir auf unser Herz aufpassen müssen. Es kommt auf die richtige Haltung an. Es kommt darauf an, für welche Zwecke wir unseren Reichtum einsetzen. 

Eine Sache möchte ich zum Schluss noch ergänzen. Das Konzept überreicher Kirchen, die nur einen Bruchteil ihrer Finanzen für Wohltätigkeitszwecke ausgeben, in denen Pastor*innen Privatjets fliegen, fünf Strandhäuser besitzen und ein pralles Konto haben, sehe ich sehr kritisch! Immer wieder gab es in der Vergangenheit in großen Kirchen Finanzskandale.  Von Steuerhinterziehung bis Veruntreuung von Geldern. Keine Bibelstelle legitimiert aus meiner Ansicht diesen verantwortungslosen Umgang von Geld!

Wie seht ihr das Thema Finanzen und Gott? Wie geht ihr als Gläubige mit Geld um?

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