Alle Artikel in: Islam

Ein Armband als Erinnerung für mehr Nächstenliebe

„Und was sollen wir sagen?“ fragt mich Marie während wir im englischen Chelmsford auf einen Obdachlosen zugehen. „Das werden wir schon sehen – das ergibt sich.“ versuche ich uns zu beruhigen und meine eigenen Hemmungen zu überspielen. Wir nähern uns dem Vodafone Laden, vor dem ein Mann auf dem Boden sitzt. Während er Armbänder flechtet und wir ihn begrüßen, blickt er auf. Er sieht älter aus, als er ist. Seine angefertigten Armbänder erleichtern uns den Gesprächseinstieg. Marie fragt neugierig, was er da macht. Wir sind interessiert und gehen neben ihm in die Hocke. Und so beginnt unser Gespräch. Ein Gespräch, das die nächsten 60min dauert und Marie und mich nachhaltig verändern wird.  Im letzten Semester studierten Marie und ich in Großbritannien und lebten in dem kleinen typisch englischen Städtchen Chelmsford. Unsere Sonntage verbrachten wir häufig im nicht weit entfernten London und besuchten die Hillsong Church. Dabei ist es fast schon zur Tradition geworden, den Sonntagabend danach mit ein-zwei Pints Cider in unserem Lieblingspub ausklingen zu lassen. Ich erinnere mich gern an unsere Gespräche. Wieder einmal …

Religion kann niemals Hass sein. Moslem Hani über seinen Glauben.

Es ist Mittwochabend. In gemütlicher Runde sitzen wir mit Maries syrischem Mitbewohner Hani zusammen. Wir bestellen uns Pizza, schlagen uns den Bauch voll und unterhalten uns über unseren Glauben. Wie jedes Mal, wenn ich bei Marie zu Besuch bin, beeindrucken mich Hanis Freundlichkeit und seine wahnsinnig friedliche Ausstrahlung. Ich bin gespannt, was er uns über sein Leben und seinen Glauben erzählen wird. Für mich ist es das erste Mal, dass ich mit einem Moslem so richtig über Religion spreche. Eigentlich verrückt, ist mir der Austausch unter Gläubigen doch so wichtig. Hani ist 28 Jahre alt. Er kommt aus Damaskus und lebt seit mehr als zwei Jahren in Deutschland. In Magdeburg ist er in den letzten Zügen seines Masterstudiums. Wo für mich ein komplettes Studium in einer anderen Sprache unvorstellbar wäre, will Hani unbedingt Elektrotechnik auf Deutsch studieren. „Das war mein Traum eigentlich, hier weiter zu studieren in dieser Fachrichtung Erneuerbare Energie.“, erzählt uns Hani mit leuchtenden Augen. Die Idee nach Deutschland zu kommen, kam ihm 2007, nachdem sein Vater für zwei Monate in Kaiserslautern gearbeitet hat. Außerdem …