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4 Dinge, die ich während eines buddhistischen Wochenend – Retreats gelernt habe

Während andere Menschen den ersten Advent auf dem Weihnachtsmarkt verbringen oder die Zeit nutzen, um das Haus weihnachtlich zu dekorieren, erlebten Marie und ich zwei intensive Tage fernab von all dem Trubel. Unser Wochenende verbrachten wir in Tharpaland – einem internationalem buddhistischen Retreat Center der Neuen Kadampa Tradition (NKT).

Die nächsten beiden Tage wollten wir unseren Alltag hinter uns lassen, uns entspannen und meditieren! Das Ganze sollte im Schweigen passieren – ja genau, richtig – im Schweigen. Von Freitagabend bis Sonntagmittag durfte also weder verbal noch nonverbal kommuniziert werden! Gar nicht mal so leicht.

Das Retreat war meine erste Erfahrung mit Meditation. Als Christin war das Meditieren nie ein Thema und war der Meinung, dass das nichts für mich ist. Ich meine, dann kann ich doch auch gleich einfach beten… Nun ja, durch Marie hat sich meine Einstellung ein wenig geändert und ich bin dem Thema gegenüber offener geworden. Als mir Marie von dem Retreat erzählt hat, zögerte ich also nicht lange und begleitete sie. Ich meine, ich kann doch nicht einfach etwas ablehnen, was ich selber noch nie vorher ausprobiert habe, oder?

Für mich war das Wochenende eine spannende Erfahrung, da ich neben dem Meditieren – also dem in mich gehen– auch viel über den Buddhismus gelernt habe. Wer mich kennt, der weiß, dass ich es liebe, alles und jeden zu beobachten und zu analysieren. Zugegebenermaßen, habe ich das auch am Wochenende gemacht (obwohl wir uns ja eigentlich nur auf uns konzentrieren sollten. Das hat also nicht so gut geklappt… 😉 )

Es gibt vier Dinge, die ich beim Retreat gelernt habe und die ich mir auf jeden Fall von dem Wochenende mitnehme:

Auszeiten sind sinnvoll. 

Dass es wichtig ist, sich auch mal eine Auszeit von seinem Alltag zu nehmen, ist, denke ich vielen klar. Oftmals ist eine Auszeit mit dem Abbau von Stress verbunden. Klar, denn irgendwie ist ja jeder gestresst. Ich persönlich verstehe unter einer Auszeit nicht gleich ein Sabbaticaloder einen mehrmonatigen Aufenthalt auf einer thailändischen Insel umgeben von weißem Strand und glasklarem Wassern. Vielmehr meine ich eine kurze Pause vom Alltag, die es nicht gleich erfordert, sein ganzes Leben umzukrempeln. Das Retreat-Wochenende war eben genau so eine Pause, in der ich meinen Alltag vergesse, in der Natur bin und mich voll und ganz auf mich konzentriere. Eine Art Quality Time mit mir. Ich glaube, es ist wichtig, sich bewusst Zeit für sich selbst und seine Gedanken zu nehmen – um zu reflektieren, zu ordnen, zu planen. Was ist mir wichtig? Was möchte ich verändern? Womit will ich meine Zeit verbringen? Wer und was macht mich glücklich?

Während des Retreats hat sich das Digital Detox als sehr hilfreich herausgestellt, um mir über genau diese Fragen Gedanken zu machen. Viel zu oft greife ich an mein Handy oder klappe meinen Laptop auf, wenn ich denke, nichts zu tun zu haben. Wie oft finde ich mich bei Facebook, Instagram oder Whatsapp wieder, wenn ich auf Freunde warte, der Kaffee durch die Maschine läuft, mich die Vorlesung langweilt oder ich nicht einschlafen kann?! Wäre nicht genau dann die Zeit für eine Mini-Auszeit, in der man sich mit sich selbst beschäftigt?

Ich glaube das Retreat hat mir dabei geholfen, mir bewusst zu machen, wie wichtig es ist, sich Zeit für sich zu nehmen und zu reflektieren, was mich im Innersten bewegt. Genau das möchte ich vermehrt in meinen Alltag integrieren – ob durch Mini-Auszeiten, in denen ich normalerweise zum Handy greifen würde, oder durch einen kürzeren oder längeren Tapetenwechsel.

Meditieren ist nichts für mich.

Japp – damit ist eigentlich schon alles gesagt. 😀 Wie bereits beschrieben, hatte ich eigentlich immer Vorurteile gegenüber der Meditation. Ich konnte den Sinn hinter dem „Ich denke jetzt an nichts“ nicht verstehen. Außerdem: Meditieren als Christin? Selbst als ich mein Ticket für das Wochenendretreat hatte und wirklich (!!!) gewillt war, der Meditation eine Chance zu geben, hatte ich meine Zweifel. Ich vermutete, dass meine Meditation zum Gebet wird. Und genau so kam es! Es hat keine 10 Minuten in der Meditation gedauert und ich befand mich im Dialog mit Gott. Ich erinnere mich an eine Meditation, in der wir uns wünschen sollten, dass unsere Liebsten – also Freunde und Familie – von jeglichem Leid befreit werden. An dieser Stelle war ich extrem verwirrt. Kann es meinen Freunden besser gehen, indem ich nur an sie denke? Kann meine Familie von Sorgen befreit werden, nur weil ich es mir wünsche? Ich persönlich glaube, dass das nur Gott kann. Also betete ich schließlich zu Gott.

Obwohl ich gemerkt habe, dass das Meditieren für mich persönlich nichts ist, denke ich trotzdem, dass Meditation Menschen weiterbringt. Meditation bringt Ruhe und Konzentration und ist außerdem eine Art kleine Auszeit, in der man jeglichen Stress ausblendet und ganz bei sich ist.

Kommunikation ist wichtig.

Als ich meinem Freund erzählt habe, dass ich an dem Retreatwochenende nicht reden dürfte, hat er gelacht und meinte „Das schaffst du doch eh nicht!“. Ich persönlich war mir völlig sicher, dass es für mich eine Leichtigkeit wird, auch mal nichts zu sagen. Ist doch nichts dabei – es waren ja nicht einmal 48 Stunden in Schweigen. Normalerweise dauern buddhistische Schweigeretreats 10 Tage. Auf dem Tharpaland-Gelände wohnen Retreater, die mehrere Jahre abgeschottet und im Schweigen leben. Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen!

Um ehrlich zu sein, habe ich das Schweigen unterschätzt. So wachte ich Sonntagmorgen mit dem Gedanken auf, dass ich heute eeeendlich wieder reden kann. Dennoch habe ich es geschafft, auf Kommunikation mit anderen zu verzichten. Umso mehr habe ich mit mir selbst kommuniziert, was ja auch ein Sinn des ganzen Wochenendes war. Mein mitgebrachtes Journal hat sich gefüllt mit Gedanken und Fragen zum Buddhismus sowie Ideen und Wünschen für meine Zukunft.

An dem Wochenende habe ich realisiert, dass mir der Austausch mit anderen super wichtig ist. Viel bedeutsamer für mich ist aber die Erkenntnis, dass auch das schriftliche Formulieren meiner Gedanken unglaublich wertvoll ist.

Der Fokus ist entscheidend. 

Insgesamt gab es an dem Wochenende sieben Sessions, die aus einem buddhistischen Input und einer dazu passenden Meditation bestanden. In einer der Sessions erklärte uns Gen Kelsang Devi, dass wir zu innerem Frieden nur dann kommen, wenn wir unsere Einstellung vom Negativen auf das Positive richten. Zufriedenheit und Glück kommen in der buddhistischen Lehre nicht von äußeren Umständen, sondern von der inneren Welt – viel mehr von unserem inneren Frieden, den wir mit unseren Gedanken beeinflussen. Für mich ist das ziemlich einleuchtend. Meine Gedanken beeinflussen meine Stimmung, meine Zufriedenheit und meine Einstellung. Wenn ich mich also nur auf alles Schlechte in der Welt konzentriere – was ich nicht habe, was ich nicht kann, wie gestresst ich bin – macht mich das früher oder später unzufrieden. Das Retreat war Anstoß, mir die Frage zu stellen, worauf ich mich derzeitig eigentlich konzentriere. Auf eher Positives oder eher Negatives? Welche Gefühle lasse ich zu? Um mir darüber klarer zu werden, erstellte ich nach dem Retreat eine Liste mit Dingen, die ich ab jetzt fokussieren will und eine andere Liste mit Gedanken, die ich loslassen will, weil sie mir schlechte Laune bringen. Das kann ich nur jedem empfehlen!

Wenn ihr selbst einmal so ein Wochenendretreat oder auch ein Schweigeretreat erleben möchtet, dann kann ich euch das Tharpaland International Retreat Centre sehr empfehlen! Die Angestellten und Bewohner sind total nett, die Betten sind bequem, das Essen super lecker und die buddhistische Leiterin absolut entzückend. Für weitere Infos schaut gern auf der Website von Tharpaland vorbei!

Tharpaland – International Retreat Center

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